Endlich Erstsemester! Nach vielen, unendlich scheinenden Jahren hast du die Matura bestanden. „Nie mehr Schule – keine Schule mehr.“ Der Song deines Sommers dröhnt aus den Boxen und du spürst zum ersten Mal ein ganz neues Gefühl: Freiheit. Bis dir einfällt, dass du zwar im Herbst mit deinem Traumstudium anfängst, du aber keine Ahnung hast, was das bedeutet – zu studieren. Hier erklären wir dir, was auf dich zukommt, damit der Umstieg dir nicht allzu schwerfällt.
Selbstorganisation statt fixem Stundenplan?
Ein Studium bedeutet, die eigenen Interessen zu vertiefen und eigenständiger zu werden. Denn hier stellt niemand mehr Stundenpläne für dich zusammen, an die du dich für ein ganzes Semester halten musst. Stattdessen wählst du die Vorlesungen und Übungen so, wie du willst. Das ist von Interesse, Uhrzeit und Curriculum abhängig und somit völlig individuell.
Du wirst also auch jedes Semester mit anderen Kommiliton:innen zusammenkommen. Außer natürlich, du besuchst eine Fachhochschule. An diesen erhältst du einen Stundenplan und wirst das Studium auch mit den gleichen Menschen verbringen, die du am ersten Tag kennenlernst. Wichtig ist jedoch zu betonen, dass all das keine Universalaussage ist und sich von Studium zu Studium unterscheidet.
Sind Professor:innen besserverdienende Lehrer:innen?
Nein. Denn an der Uni und an der FH fragt dich niemand nach Hausaufgaben. Zumindest nicht in dem Sinn, den du von der Schule kennst. Du musst natürlich schon etwas für deinen Abschluss tun – das sieht aber von Übung zu Übung anders aus. In den Vorlesungen selbst gibt es lediglich eine Abschlussprüfung.
Den Professor:innen ist es auch egal wie oft du kommst, ob du mitschreibst und ob du die Prüfung am Ende schreibst oder nicht – zumindest an öffentlichen Unis. Ihre Hauptaufgabe ist nicht die Lehre, wie bei Lehrer.innen, sondern die Forschung. Wie schnell und erfolgreich du studierst, ist den meisten also egal. Wenn du gewisse Aufgaben nicht machst, kann es sein, dass du ein Semester wiederholen musst, weil du, je nach Curriculum, gewisse Voraussetzungen erfüllen musst, um weitermachen zu dürfen.

Muss ich das alles wissen?
In deinem Studium wirst du unglaublich viel Neues hören und lernen. Vieles davon wird zwar interessant, aber nicht prüfungsrelevant, anderes dafür höchst langweilig, aber prüfungsrelevant sein. Wie in der Schule auch, musst du da halt durch. Du wirst auch schnell merken, dass du dir bei weitem nicht alles merkst, was du so lernst. Das Wissen, dass du dir durch das Studium aneignest, kommt nicht auf Knopfdruck zutage, sondern braucht ein Weilchen, bis du es erkennen wirst.
Studium = Schule 2.0?
Auch hier: Nein. Das Studium hat mit deinen bisherigen Schulerfahrungen nur wenig zu tun. Die Umgangsformen werden dir als erstes als verändert auffallen. Alle sind wesentlich entspannter und sehen einander auf Augenhöhe. Geduzt wird sich deshalb trotzdem nicht. Die Sprache im Studium ist wesentlich elitärer und wissenschaftlicher. Daran muss man sich anfangs erst gewöhnen.
Allerdings kommt es dabei immer auf die Professor:innen und die Hochschulart, also ob Uni oder FH, an. Außerdem gibt es die Bestrebung, die Wissenschaft sprachlich für alle leichter zugänglich zu machen. Das ist aber ein langwieriger Prozess. Auch die Lernkultur im Studium ist eine völlig konträre im Vergleich zur Schule. Du lernst viel mehr in kürzerer Zeit, befasst dich intensiver mit dem Stoff, findest über den Austausch Freund:innen und lernst mit Sicherheit viele neue Cafés kennen.

Neue Routinen, neue Umgebung und viele neue Unsicherheiten
Lass dich nicht täuschen – die anderen sehen zwar so aus, als wüssten sie, wie der Hase läuft, in Wirklichkeit sind aber alle Erstis genauso planlos wie du. Alle sehnen sich nach Anschluss und versuchen Freund:innen zu finden. Das ist für die einen leichter und für die anderen ein bisschen schwerer. Sei ganz du selbst und steh zu dir. Versuch, dich nicht zu sehr verbiegen zu lassen. Das Studium ist nämlich auch dazu da, leben zu lernen und herauszufinden, wer du eigentlich bist.
Also: Kopf hoch. Das erste Semester ist für alle eine Herausforderung. Mit Sicherheit wirst du bereits im zweiten über deine Planlosigkeit lachen und Strategien gefunden haben, die für dich passen. Es ist ein Prozess, in den du als eine völlig andere Person hineingehst als die, als die du herauskommst. Genieße ihn.






