Studieren klingt erstmal nach Freiheit, Selbstverwirklichung und Partys ohne Ende. Ein Stück weit stimmt das – die Realität bedeutet allerdings auch Chaos, Überforderung und jede Menge Selbstzweifel. Hätte ich vor Studienbeginn ein paar Dinge gewusst, wäre mir vermutlich so einiges leichter gefallen. Deshalb hier meine Liste mit zehn Erkenntnissen, die dir vielleicht den Start erleichtern.
Niemand hat am Anfang einen Plan – und das ist okay
Alle tun so, als hätten sie sofort den absoluten Durchblick und als wäre dieser große Schritt nicht komplettes Neuland. Sie wirken, als hätten sie noch nie was anderes getan als zu studieren und haben das Leben im Allgemeinen und das Studium im Speziellen durchschaut und völlig im Griff. Ein kleiner Spoiler an dieser Stelle: das ist eine Lüge. Anfangs sind alle erstmal überfordert. Nur zeigen das bei weitem nicht alle. Es ist okay, wenn du dich überfordert und alleine fühlst, weil du eben noch keine 15 neuen Freunde gefunden und die Zeit deines Lebens hast. Es ist auch okay, wenn du nicht den „typischen“ Weg gehst und dein Ding so durchziehst wie du das willst. DIE Art zu studieren, gibt es nämlich nicht und für alle ist etwas anderes richtig.
Vorlesungen sind keine Pflichttermin (aber meistens sinnvoll)
Richtig gelesen, Vorlesungen sind keine Pflichtveranstaltungen. Du kannst kommen und gehen, wie du willst – oder eben gar nicht. Aber: manche Professor:innen verraten in ihren Vorlesungen Dinge, die nicht auf den Folien oder in den Skripten stehen und dennoch prüfungsrelevant sind. Es ist also definitiv leichter, gleich zuzuhören als später stundenlang nachzulesen und sich erstmal selbst alles durchzudenken. Außerdem lernst du in den Vorlesungen neue Menschen und andere Sichtweisen kennen. Zudem sind gewisse Profs auch einfach wirklich gute Vortragende und die 1,5 Stunden, die so eine Vorlesung dauert, vergehen wie im Flug.
Nutze die Mensa
Mensen sind eine großartige Sache. Es gibt günstige Menüs, die sich täglich abwechseln und auch ausreichend portioniert sind. Auch die geschmackliche Komponente bleibt abwechslungsreich. Von „Wow, ist das gut!“ bis „Ich dachte, da ist Gemüse drinnen?“ ist alles dabei. Nimm es locker und koste dich durch die verschiedenen Mensen durch. Protipp: Die Menüs findest du auch online unter mensen.at.
Der Campus ist größer als gedacht
Irgendwann stehst du garantiert im falschen Gebäude oder 15 Minuten Fußweg vom richtigen Hörsaal entfernt. Wurden in Coronazeiten viele Vorlesungen noch aufgezeichnet, so ist das lange schon nicht mehr der Fall. Gerade an der Uni Wien, die keinen wirklichen Campus hat, musst du also genau lesen, wo die nächste Veranstaltung stattfindet. Die einzelnen Institute sind zwar meist in einem Gebäude, die Vorlesungen finden aber trotzdem gern mal irgendwo statt. Mach dich also rechtzeitig auf den Weg oder check die einzelnen Standorte schon vor dem ersten Unitag aus. Über Foren und Chatgruppen, wie beispielsweise auf Studo, kannst du dich auch leicht austauschen, wenn du mal nicht weiterweißt.

Kontakte bringen oft mehr als Noten
So viel pauken wie im Studium, wirst du später vermutlich nicht mehr. Und ja, die Noten sind teilweise wichtig, wenn du beispielweise ein Leistungsstipendium anstrebst, einen bestimmten Master im Kopf hast oder ein Auslandssemester machen möchtest. Aber: Wichtiger ist es tatsächlich, Menschen kennenzulernen, dein Netzwerk auszubauen und Freund:innenschaften zu schließen. Vitamin B lässt grüßen. Schließlich kommen an einer Uni viele unterschiedliche Menschen zusammen, die die unterschiedlichsten Dinge machen, Unternehmen gründen und Ansichten haben. Das bringt dich oft weiter als eine 1 in einer Übung.
Prokrastination ist ein treuer Begleiter
Wie gesagt – du wirst viel zu tun haben. Seminararbeiten schreiben, Referate vorbereiten, Gruppenarbeiten machen, Vorlesungen vor- und nachbereiten und nebenbei noch für Prüfungen lernen. Kein Wunder, wenn da mal die Motivation ausbleibt. Deadlines wirken dann gerne mal wie Magneten: Je näher sie kommen, desto produktiver wirst du plötzlich gezwungenermaßen. Das gehört tatsächlich dazu. Die einen Student:innen haben das mehr, die anderen weniger. Wichtig ist nur, dass du auch wirklich ins Tun kommst und nicht nur prokrastinierst.
Du darfst dein Fach wechseln. Oder abbrechen. Oder neu anfangen.
Ein Studienfach ist keine lebenslange Entscheidung. Es ist mit vielen Erwartungen und Vorstellungen verknüpft und wird gut und gerne auch mal romantisiert. In gewissen Phasen hilft das sehr. Wenn du aber nur mehr leidest und den Weg gar nicht mehr genießen oder mit Vorfreude auf den Abschluss blicken kannst, ist es völlig legitim, den Kurs zu ändern. Das macht dich nicht weniger erfolgreich oder schmälert deinen Wert. Der hängt nämlich zu keiner Zeit von deinem akademischen Werdegang ab.
Also: Aller Anfang ist schwer. In diesem Fall kann er auch chaotisch, verwirrend und hin und wieder frustrierend sein. Deinen Rhythmus wirst du trotzdem finden, davon bin ich überzeugt. Und dann macht so ein Studium richtig Spaß. Und wie es so schön heißt – der Weg ist das Ziel.






